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Die universitäre Ausbildung "krankt"
an der zu vermittelnden Fülle des Stoffs. Das
im folgenden dargestellte und an der
Universität Marburg praktizierte
Studio-Gruppen-Projekt wurde von Georg Freund im
Sommersemester 1995 begonnen und im Sommersemester
1996 mit dem Arbeitsgemenschaftsprojekt von Christian
Koenig zusammengeführt. Mittlerweile
beteiligen sich auch Ralph
Backhaus sowie Monika Böhm.
Die Erfahrungen zeigen, daß Schwächen
der gegenwärtigen Ausbildung nicht nur im
Bereich der Lehrinhalte liegen. Defizite
bestehen auch mit Blick auf die gegenwärtig
angebotenen Veranstaltungsformen
(Vorlesungen, Übungen, Seminare). Ein
dringendes Bedürfnis für eine
Ergänzung der traditionellen universitären
Veranstaltungsangebote besteht unserer
Einschätzung nach ab dem 3. Fachsemester. Im
1. und 2. Fachsemester bieten die seines der
Universität Marburg angebotenen studentischen
Arbeitsgemeinschaften mit beschränkter
Teilnehmerzahl den Studierenden eine gewisse
Betreuung und die Möglichkeit aktiver
Mitarbeit. Durch zahlreiche Gespräche mit
Studierenden wissen wir, daß etwa ab dem
3. Semester eine gesteigerte Hilflosigkeit und
Orientierungslosigkeit um sich greift. Eine aktive
Mitarbeit ist bei den Vorlesungen und Übungen
wegen der hohen Teilnehmerzahlen nur für wenige
möglich. Seminare sind nach ihrem
gegenwärtigen Zuschnitt regelmäßig
erst für Studierende in höheren
Fachsemestern geeignet. Zudem zeigt sich, daß
die Distanz zwischen Lehrenden und Lernenden in
Massenveranstaltungen selbst bei bestem Willen und
Bemühen des Dozenten nur begrenzt abbaubar
ist. Um den vorhandenen Defiziten abzuhelfen, haben
wir für die Studierenden des 3. ud
4. Fachsemesters mehrere sogenannte "Studio-Gruppen"
eingerichtet. In diesen (Klein-)Gruppen soll
frühzeitig die Fähigkeit zu einem
eigenverantwortlich betriebenen und bei aller
Zielstrebigkeit doch in die Tiefe gehenden Studium
entwickelt und gefördert werden.
Zur Konzeption im einzelnen: In einer
Studio-Gruppe treffen sich max. zwanzig
Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mit der Anmeldung
ist die Teilnahme verbindlich. Alle zwei Wochen
finden ca. zweistündige Arbeitssitzungen statt,
deren Thematik spätestens auf der
vorhergehenden Arbeitssitzung festgelegt wird. Die
Studierenden erhalten entsprechende
Einstiegsliteratur, Fallmaterialien und
Vorschläge zum gutachterlichen
Klausuraufbau. Jeweils zwei oder drei Studierende
arbeiten sich gemeinsam besonders intensiv in die
Materie ein und halten ein kurzes
Einführungsreferat. Sodann werden die
aufgeworfenen Probleme unter fachlicher Anleitung
des Studiogruppenleiters diskutiert. Dabei werden
sowohl klausurrelevante Fallösungen erarbeitet
als auch rechtsdogmatische Grundfragen
erörtert. Es besteht überdies Gelegenheit,
Probleme des juristischen Studiums, die sich den
Teilnehmern stellen, zu besprechen. Bewährt hat
sich auch eine Fallbearbeitung in der Form eine
gerichtlichen Verfahrens (z.B. Moot Court mit
Anklage, Verteidigung etc.). Nicht zuletzt will die
Studio-Gruppe eine Anleitung zur eigenen
Organisation und sinnvollen Gestaltung der Arbeit in
privaten Arbeitsgemeinschaften bieten. Nach den
bisher durchgeführten Arbeitssitzungen halten
wir dieses Projekt für außerordentlich
erfolgversprechend. Wir gehen davon aus, daß
es nach einer gewissen Erprobungsphase eine
größere Breitenwirkung entfaltet.
Um eine "flächendeckende" Grundversorgung
aller Studierenden trotz bestehender
Kapazitätsengpässe zu gewährleisten,
wird das Studio-Gruppen-Konzept durch ein Projekt
zur Initiierung und Anleitung von privaten
Arbeitsgemeinschaften ergänzt. Die
Arbeitsgemeinschaften sollen dabei Multiplikatoren
des Studio-Gruppen-Konzepts sein.
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